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Religion is not a threat unless it affects behaviour.* (Seite 242)

 

Cover: The ListZum Inhalt

Renny und Jo haben eines gemeinsam: beider Väter sind kürzlich völlig unerwartet gestorben. Beide haben Anteile an „The Covenant List of South Carolina Ltd“ geerbt. Zufällig treffen sie sich auf dem Weg zum Hotel. Dort erfahren sie, daß nur männliche Erben erbberechtigt sind. So ist Jo also draußen, Renny in der List, von der er sich immensen finanziellen Reichtum verspricht. Das hindert beide nicht, eine Beziehung zu beginnen. Jo ist religiös, Renny sieht in Gott eher eine Art Uhrmacher, der das „Uhrwerk“ Welt geschaffen und in Gang gesetzt hat und sich nun um nichts mehr kümmert. Während also einerseits Jo und Renny, der sich mehr und mehr dem Christentum zuwendet, sich näherkommen, entfaltet andererseits The List ihre dunkle und mörderische Wirkung. Als Renny bemerkt, daß Geld mehr Probleme schafft denn es löst, und hier mehr als nur zerstörerische Kräfte am Werke sind, ist es fast zu spät. Es wird zu einer Frage von Leben und Tod.  

 

Kommentar / Meine Meinung

„The right word in the wrong time is just as useless as the wrong word in the right time.“ ** (Seite 197) So heißt es etwa in der Buchmitte. Nun sitze ich hier vor dem Bildschirm und überlege, was denn für diese Rezi die richtigen Worte zur richtigen Zeit sind. Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich durch die Verfilmung. Zu einem Film suche ich die Buchvorlage, so es eine gibt, um etwas länger bei den Protagonisten verweilen zu können. Kommt es bisweilen vor, daß die Verfilmung besser als das Buch ist, ist hier eindeutig das Buch im Vorteil, obwohl der Autor am Filmdrehbuch mitgeschrieben hat.

Durch die Verfilmung hatten die Protagonisten für mich schon Gesichter, wenngleich Jo, die aus einer christlichen Familie kommt, im Film deutlich anders aussieht als im Buch beschrieben. Renny hingegen steht dem Thema Religion eher neutral gegenüber. Seine vor Jahren verstorbene Mutter war religiös, andere Personen in seinem Umfeld sind es, er jedoch hält es eher mit weltlichen Dingen, wie etwa der Aussicht auf ein Millionenerbe nach dem Tod seines Vaters. Wie ist er enttäuscht, nichts zu erben außer dem Gesellschaftsanteil einer sehr geheimen Firma namens „The Covenant List of South Carolina Ltd“. Da scheinen jedoch Millionen dahinter zu stehen. Das läßt ihn jede Vorsicht vergessen, alle Bedenken beiseite schieben. Er will nur eines: das Geld, das ihm nach seiner Meinung zusteht.

Jo, deren Vater fast gleichzeitig mit dem Rennys gestorben ist, sieht das etwas skeptischer. Nicht nur, weil sie nichts erbt, denn erben dürfen nur männliche Nachkommen. Der ihr zustehende Teil fällt zurück an „Die Liste“, und erhöht damit den Anteil der anderen. Irgendetwas erscheint ihr seltsam, quasi nicht koscher an der ganzen Sache. Es braucht nicht viel Phantasie, um zu der Überzeugung zu gelangen, daß sie recht hat.

In manchen Rezis wird der lange Mittelteil als störend erwähnt, das empfand ich nicht so. Im Gegenteil, das langsame (wobei in Relation zu den im Buch vergangenen Tagen „langsam“ ein durchaus relativer Begriff ist) Entwickeln der Beziehung zwischen Jo und Renny ist meines Erachtens durchaus notwendig zu wissen, wenn es zum finalen Showdown kommt. Ein gleiches betrifft die Hinwendung zum aktiven Christentum Rennys, sein Suchen, Zweifeln und Straucheln auf diesem Weg.

Die Personen konnte ich mir, nicht nur wegen der Bilder aus dem Film, gut vorstellen. Das Buch ist flüssig und gut lesbar geschrieben und hat bei mir innerhalb weniger Minuten das Kopfkino zum Laufen gebracht. A. L., Rennys Anwalt, hat mir im Buch deutlich besser gefallen als in der Verfilmung; seine Person ist hier glaubwürdiger, konsistenter und besser durchdacht.

Das ist das am stärksten christlich orientierte Buch, welches ich bisher gelesen habe. Will sagen, es wird öfters gebetet (nicht nur mit „sie beteten“, sondern mit dem ganzen Gebetstext), Gottesdienste besucht, oder mit Gott Zwiesprache gehalten. Neben der Hinwendung zum aktiven Christentums Rennys ist der Kampf zwischen Gut und Böse eines der zentralen Themen. Klar, daß dabei (auf beiden Seiten) auch übernatürliche Kräfte am Wirken sind. Im Verlaufe des Buches wird deutlich, worin die Geschäfte der List bestehen. Da sind durchaus sehr weltliche Dinge involviert.

Am Ende war ich fast etwas traurig, Renny und Jo (sowie etliche andere) ziehen lassen zu müssen. In tiefer innerer Ruhe und Zufriedenheit habe ich das Buch zugeklappt im sicheren Bewußtsein, daß ich es zwar das erste, mit Sicherheit aber nicht das letzte Mal gelesen habe.

My primary job as a Christian is not to curse the darkness in the world but to bring in the light. *** (Seite 373) Auch in diesem Sinne läßt sich das Buch verstehen. Das wurde - um im Bild zu bleiben - zwar eher zu einem Blitz denn einer Lampe, aber bisweilen braucht es eine Überspannung, um ein Licht zu entzünden. Bei mir hat es immerhin so weit gezündet, daß ich mir auch die anderen Bücher des Autors besorgen und lesen und das eine oder andere ins eigene Leben integrieren werde.  

 

Kurzfassung

Mit Mystery- und Thrillerelementen erzählt Whitlow bisweilen in ruhigem Fluß, bisweilen hochspannend, wie Renny und Jo zueinander finden und mit dem Erbe ihrer Väter, der „The Covenant List of South Carolina Ltd“ umgehen müssen. Empfehlenswert für Liebhaber christlich orientierter Bücher.  

 

Übersetzungen

* = Religion ist keine Gefahr, solange sie nicht das Verhalten beeinflußt.
** = Das richtige Wort zur falschen Zeit ist genauso nutzlos wie das falsche Wort zur richtigen Zeit.
*** = Meine vordringliche Aufgabe als Christ in der Welt ist nicht, die Dunkelheit in der Welt zu verdammen sondern das Licht zu bringen.

 

Bibliographische Angaben

413 Seiten, kartoniert; Verlag: WestBow Press (Thomas Nelson Publ.), Nashville/TN, 2000; ISBN-10: 0-8499-4518-6; ISBN-13: 978-0-8499-4518-2

Ursprünglich geschrieben am 18. Juli 2010